Reisen in südamerikanischen Bussen – Teil I

Reisen in südamerikanischen Bussen – Teil I

„So bequem bist du in Europa noch nie gereist!“, sagen sie. „Da fällt dir gar nicht auf, dass du 20 Stunden unterwegs bist,“ sagen sie. Und sie sagen auch, dass man super schlafen kann in den Sitzen, die man um so-und-so-viel Grad nach hinten kippen kann. Was sie einem nicht sagen ist, dass die Klimaanlage so weit runter gedreht ist, dass der künstliche Wind einem trotz Schlafsack und Wollsocken noch um die Ohren pfeift (klar, so weit reichen weder Schlafsack noch Wollsocken). Was sie auch meistens vergessen zu erwähnen ist, dass die meisten Busfahrer selbst ganz offensichtlich keine großen Fans vom Busfahren sind. Sie rasen nämlich so unglaublich schnell von A nach B, dass wirklich der Eindruck entstehen könnte, dass sie es möglichst rasch hinter sich bringen wollen. (Gibt‘s Prämien fürs zu-früh-Ankommen? Hmm..) Was die noch nicht sagen ist, dass Tiere an Bord erlaubt sind. Und dass die Besitzer darauf nicht aufpassen müssen. Dass es sogar sein kann, dass besagte Besitzer kurz (oder auch etwas länger) einnicken und ein Welpe sich dann aus dem für ihn vorgesehenen Rucksack befreien und den einzigen Touristen (von uns mal abgesehen) im ganzen Bus vor die Füße kacken kann. Wenigstens hat der Besitzer, als er dann ausgeforscht und aufgeweckt war, das Malheur ohne zu motzen aus dem Fenster befördert. Der Gestank war danach trotzdem noch da.

Was die einem zwar sagen, man aber doch nicht bedenkt wenn es darauf ankommt ist, dass nur das Handgepäck mit in den Bus darf. Der Rest muss nach unten. Ich wette alles was ihr wollt, dass genau der Gegenstand, den ihr nach 12 Stunden Fahrt so unbedingt braucht und ohne den es ab einem bestimmten Punkt (und dieser Punkt kommt, glaubt mir) gar nicht mehr geht, ganz unten im Bauch des Busses ist; tetrisartig eingeklemmt zwischen 50 anderen Rucksäcken und unmöglich zu erreichen. Ein saftiger Apfel zum Beispiel, wenn einem nach der dritten Runde dulce de leche Keksen nach etwas ist, das nicht schon beim Hinsehen Karies verursacht. Oder die Kopfhörer vom iPod, weil ein bisschen Musik jetzt, nach der zweiten Wiederholung von „Piranha 3D“ in Folge (Gott sei Dank nur in 2D), doch so unglaublich angenehm wäre. Oder einfach nur Ohrstöpsel, die verhindern, dass einem der Vortrag dieses anfangs für einen normalen Fahrgast gehaltenen Voodoo-Priester, der in Wort und Bild über die schlimmsten Krankheiten der Welt referiert, um danach – man glaubt es kaum – ein Allheilmittel dagegen zu verkaufen, den letzten Nerv raubt. Dazu muss gesagt werden, dass diese eine Busfahrt, auf der das passiert ist wahrscheinlich die skurrilste der ganzen Reise war. Highlight (oh ja, nach der Hundekacke kommt noch mehr) war für mich der Moment, als der Bus mitten in der Pampa anhielt, seine Türen öffnete und alle von ihren Sitzen hochsprangen und ins Freie stürmten. Alle außer uns, weil wir natürlich nicht mitbekamen, was die plötzliche Eile verursachte. Es dauerte nicht lange, da wurden wir schlauer: da der Busfahrer aus irgendwelchen Gründen vermeiden wollte, dass die Toilette im Bus benutzt wird, hielt er einfach auf offener Strecke und mitten auf der Straße an, um alle Passagiere ihr Geschäft im Freien verrichten zu lassen. Man stelle sich also vor wie Jung und Alt, Kinder, Omas und der Welpe, fünf Meter vom Bus und höchstens fünf Meter voneinander entfernt stehenbleiben, die Hosen fallen lassen oder ihre Röcke lüften und sich hinter je einem Büschel Ichu Gras erleichtern. Wir trauten unseren Augen kaum.. Wenigstens hat jeder sein eigenes Büschel benutzt. Angefasst habe ich nachher in dem Bus nicht mehr allzu viel.

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