Nahrungsmittelintoleranz – viele Buchstaben um nichts?

Nahrungsmittelintoleranz – viele Buchstaben um nichts?

Ich hab mal irgendwo gehört, dass jeder Dritte mittlerweile irgendwelche nahrungsmittelbezogenen Intoleranzen hat – bewusst oder weniger. Das heißt manche fühlen sich ab und an nach dem Essen wie ein geladenes Druckluftgewehr (man möge mir vergeben), oder, noch besser, gestalten das Badezimmer wohnlicher, da sie dort plötzlich sehr viel quality time verbringen; andere wiederum spüren trotz Unverträglichkeit gar nichts. Ich für meinen Teil bekomme wenig Luft. Wenn man realistisch bleiben will könnte man sagen, dass da keinerlei Sauerstoff mehr durch meine Nase in die Lungen gelangt. Jetzt seid ihr dran: „Oh mein Gott, wie hältst du das nur aus??!!“ So gehts den meisten, wenn sie das hören. Aber keine Panik: Ich atme ganz einfach durch den Mund. Anatomisch einwandfrei machbar. Und nein, davon wird man nicht krank, auch wenn die Atemluft nicht so wundervoll gefiltert und erwärmt wird, wie das durch den Kontakt mit den Nasenhärchen so passiert. Ehrlich gesagt würde ich immer noch sturheil in einer Welt leben, in der die Nase nur deshalb in jedermanns Gesicht sitzt, weil da sonst einfach zu viel „Nichts“ wäre und das komisch aussähe; WENN mich nicht irgendwann mal dieser freundliche Arzt darauf hingewiesen hätte, dass da irgendetwas nicht ganz stimmt mit mir. Besser gesagt mit dem Organ, das da so teilnahmslos mitten in meinem Gesicht sitzt. Für die meisten mag es schwer zu verstehen sein, dass man so lange mit so einem Defekt leben kann, ohne überhaupt etwas zu merken (das hab ich mittlerweile begriffen), aber es hat mich tatsächlich kein bisschen gestört, dass da was nicht geht. Weil ich es ja nicht wirklich besser wusste. Na gut, im Nachhinein muss ich zugeben – es gibt kein Foto von mir, auf dem ich mit geschlossenem Mund abgebildet bin (natürlich nicht, ich wäre ja erstickt) und ohne Wasserglas neben dem Bett kann ich keine einzige Nacht überstehen (durch den Mund atmen trocknet ganz schön aus), aber wenn man das nicht anders kennt, dann ist das auch nicht weiter schlimm. Schwierig wird es erst, sobald man versucht beim Treppensteigen in ein Snickers zu beißen. Dann nämlich muss man kauen und atmen gleichzeitig – und beides durch den Mund – weniger unterhaltsam. Und dann war da noch mein Asthma (ich klinge wie ein Hypochonder, verdammt). Langer Rede, kurzer Sinn – ich wollte, dass das weg geht. Eine Freundin hat mir eine Kinesiologin empfohlen, da ging ich irgendwann auch hin. Die hat ein bisschen gependelt (nicht wirklich, hat aber so einen ähnlichen Eindruck gemacht) und schon hatte sie die Lösung parat: Nahrungsmittelintoleranz. Bitte was? Schreibt sie mir alles auf hat sie gesagt. Hat sie auch gemacht; durch den Mund atmen war gar nicht so übel. Damit ihr wisst was ich meine: Besagte Ärztin ist irgendwas um die 60 und sie hat verkündet, dass sie noch nie in ihrem Leben eine so lange Liste geschrieben hat wie für mich. Und dabei hat sie sich gefreut: ein medizinisches Wunder! Das war jetzt meine persönliche Interpretation. Na großartig. Ich hab mir von ihr sagen lassen, dass eine Intoleranz keine Allergie ist, die wäre nämlich wohl oder übel so wie sie ist und würde nicht weggehen. Unverträglichkeiten oder Intoleranzen hingegen können vergehen, wenn man nur lange genug auf die betreffenden Lebensmittel verzichtet. Jedenfalls hieß es von da an fasten, damit ich nach 30 Jahren endlich lernen konnte durch die Nase zu atmen. Anfangs wars schwer bis unerträglich (ich schwankte täglich zwischen Aufgeben, Depression und Aggression), dann irgendwann habe ich mich daran gewöhnt. Dumm waren nur jene Momente, als das Asthma dann doch mal zurückkam, ich keuchend nach meinem Spray kramte, um dann nach einem kurzen Blick auf das Etikett festzustellen, dass die da doch tatsächlich Laktose reinmachen. Dagegen bin ich (u.a.) intolerant. Welche Ironie – und wieder so ein Depressions-/Aggressionsmoment. Irgendwann nach ein paar Wochen ging mein Asthma dann tatsächlich weg und meine Nase wurde nach und nach ihrer wahren Bestimmung zugeführt. Mittlerweile darf ich wieder fast alles essen und die Nase wird immer noch größtenteils gut durchgelüftet. Gleichzeitig esse ich viel bewusster, lese Inhaltsstofflisten und überlege mir, ob manches wirklich sein muss oder nicht.

Was ich mit dem Ganzen sagen will? Jeder sollte in sich gehen und sich genau überlegen, ob er zu einem Arzt, Kinesiologen oder was auch immer geht, um sich testen zu lassen. Wenn es nur manchmal ein bisschen grummelt im Magen und sonst weiter nichts ist, lautet mein Tipp: ignoriert das; der Arzt findet garantiert irgendwas und dann geht das „Für mich nicht, danke.“ beim Essen los. Oder ihr geht doch zum Arzt und zwar jetzt gleich – ist ja Fastenzeit, da muss das eh so.

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