Flashback Friday 2: Hund, Katze, Wüste.

Flashback Friday 2: Hund, Katze, Wüste.

Der irische Wolfshund. Größter Haustier-Hund der Welt. Was die Größe angeht locker mit einem Kalb zu vergleichen; was den Geruch angeht auch. Hunde und Kälber: No offence! Bevor ich mich in Beschreibungen verliere: Mit so einem Viech bin ich aufgewachsen. Will damit sagen, ich kenne Hunde, bin an sie gewohnt und habe dementsprechend auch keine Angst davor. Ich hege auch keine besondere Sympathie für sie, aber Angst habe ich keine. Mögen tue ich Katzen; die sind flauschig, anhänglich und haben ihren eigenen Kopf. Soviel zu meinen Grundeinstellungen was Haustiere betrifft. Die galten bis zu jenem Tag, oder besser jener Nacht in der jordanischen Wüste; für mich die schönste Wüste der Welt (da ich noch keine andere gesehen habe), was meine freudige Erwartung erklärt, endlich in Wadi Rum (so heißt sie) übernachten zu dürfen. Zwei Nächte weitab von der Zivilisation, absolute Ruhe, Millionen von Sternen und keine Menschen weit und breit außer den Beduinen, deren Gäste wir waren. Soweit zur Theorie. Die Praxis war im ersten Augenblick gleich, wunderschön nämlich, bis es ans Einschlafen ging. Unser Guide wollte es sich an dem Abend nicht nehmen lassen, das Ende des Ramadan zu feiern und ließ uns allein bei seiner Familie vor einem Zelt mitten in der Wüste (im Zelt ging nicht, wegen der traditionellen Trennung Männer/Frauen). Soweit, so gut. Die legendäre Gastfreundschaft der Jordanier und der Beduinen im Speziellen sucht ihresgleichen, keine Frage. Ihre „Haustiere“ allerdings verfolgen andere Grundsätze. Sobald es Dunkel war und alle sich schlafen gelegt hatten, ging die Show los. Von wegen absolute Ruhe. Aus allen Ecken und Enden kamen plötzlich halbwilde Katzen auf der Suche nach Futterresten, die tagsüber weggeworfen wurden. Halbwild deshalb, da sie zwar von den Beduinen in die Wüste gebracht wurden, um ihre Behausung mäusefrei zu halten, aber danach auch nicht mehr weiter versorgt werden. Der Geräuschkulisse nach zu urteilen waren sie nicht mit Mäusen zufrieden, denn was man hörte waren klappernde Töpfe und klirrende Teller – da ging‘s wohl eher um die Reste vom Abendessen. Unheimlich an der Sache war, dass es tatsächlich so unglaublich dunkel war, dass man seine Hand vor Augen nicht sah. Und das bei beständigem, teilweise nicht zuordenbarem Klappern, Kratzen, Fauchen und unablässigen Sprüngen auf das Zeltvordach, unter dem wir schliefen. Gemütlich. Und als die Anspannung schon relativ hoch war, kam der Hund. Eigentlich hörte man ihn nur, denn sehen war ja nicht. Zuerst leises Bellen, dann immer lauter und zwar immer dann, wenn einer von uns sich bewegt hat – Unbekannte vor dem Zelt werden nicht toleriert: Kläff, kläff. Irgendwann habe ich aus Angst das Bewegen eingestellt, in der Hoffnung, dass das Kläffen aufhört. Mittelprächtige Idee, denn als die Töle keine Bewegung mehr wahrnahm, kam sie vorsichtshalber nachsehen. Das Bellen war also plötzlich nah – zu nah – so nah, dass der Luftzug spürbar war, wenn das Vieh an uns vorbeischlich. Langer Rede kurzer Sinn: schlafen war nicht. Eine Nacht kann viel verändern, was Ansichten und Einstellungen bezüglich Haustiere betrifft.

Herrlich dann die Reaktion unseres Guides am nächsten Morgen, der sich, ebenfalls etwas unausgeschlafen, nach unserem Befinden erkundigt hat: Anscheinend hatten wir es mit dem liebsten Hund der Welt zu tun, da alle Tiere, die nur annähernd aggressiv oder bösartig wirken schon in jüngster Zeit von ihnen eliminiert werden, weil zu gefährlich. Gesagt hat er: „I forgot to tell you, I’m so sorry. “ Von seinem Grinsen konnte man allerdings auf seine Gedanken schließen: „Pfff, Touristen…”

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