Zur Paarungszeit in Schweden

Zur Paarungszeit in Schweden

OLYMPUS DIGITAL CAMERAVor einer gefühlten Ewigkeit hatte ich die unglaubliche Freude und Ehre und das Riesenglück, zwei Auslandssemester in Schweden zu verbringen. Meine damalige „Heimat“ war Uppsala, eine ca. 140.000 Einwohner zählende Studentenstadt in der Provinz Uppland, 72 Kilometer von Stockholm entfernt. Ich habe vor einigen Tagen einen neuen Blog entdeckt, der all die alten Erinnerungen an die damalige Zeit wieder aufgefrischt und mich dazu bewogen hat, ab und an einen Beitrag darüber zu veröffentlichen. Danke dir Ann für die Inspiration!

Es gab unendlich viele Dinge, die mir von Schweden in Erinnerung geblieben sind, aber es gibt eine Tatsache, die mich damals so richtig überrascht hat. Gehört hatte ich natürlich davon, aber das Phänomen „in natura“ zu sehen, war dann doch faszinierender als angenommen. Die Rede ist von der Emanzipation der schwedischen Frauen bzw. der Schüchternheit der schwedischen Männer. Zusammenzufassen unter dem Sammelbegriff: Das Paarungsverhalten der Schweden und -Innen. Bevor ich genauer auf das Phänomen eingehe, hier einige Tipps für Interessierte, die Zeuge dieses Spektakels werden möchten:

  1. Man reise zur Paarungszeit nach Schweden – also ganzjährig. Für die Schüchternen unter euch eignen sich mit Sicherheit die Wintermonate ganz besonders, da eventuelle Tarnung/agieren im Verborgenen in den dunklen Monaten leichter möglich ist. Das Zeitfenster im Sommer ist, je nach Location, was das betrifft stark eingeschränkt.
  2. Man begebe sich in einen der Studentenhotspots, um mittendrin statt nur dabei zu sein: Lund oder Uppsala.
  3. Man schreibe sich im Vorhinein an einer Universität seiner Wahl ein (österreichische Unis werden bevorzugt empfohlen, wegen der nicht vorhandenen Studiengebühren), da in die bekannten „student nations“, in denen die Party abgeht und üblicherweise die Schweden scharenweise in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten sind, nur Studenten eingelassen werden.
  4. Man bestelle sich ein „Öl“ (Bier), suche sich einen bequemen Platz und warte. Und staune.

Abends, halb zwölf, irgendwo in Zentraleuropa

So gut wie jede Frau unter uns kennt höchstwahrscheinlich folgende Situation: Man geht abends aus, schunkelt auf der Tanzfläche und möchte einfach nur in Ruhe den Abend mit seinen Freundinnen verbringen, da kommt von der Seite ein schleimiger, extrem von sich selbst überzeugter Macho höchst unauffällig immer näher („Hey Süße, bist du alleine hier?“) und ehe man es sich versieht, kann dich, trotz eindeutigem Demonstrieren von Desinteresse, nur noch ein Standortwechsel (und manchmal nicht mal mehr das) retten. Meine Damen, wer von euch genug hat von solchen oder schlimmeren Situationen, packt die Koffer und ab in Richtung Norden! Die sprichwörtliche Emanzipation der Schwedinnen ist nämlich nicht nur ein Gerücht. Abgesehen davon, dass die männlichen Schweden viel zu höflich sind, dich derart plump von der Seite anzumachen (außer du vergisst, deine Schuhe auszuziehen, bevor du jemandes Domizil betrittst – dann hört jede Freundschaft auf) – steckt da mehr dahinter. 

Abends, halb zwölf, irgendwo in Schweden

Man geht abends aus, schunkelt auf der Tanzfläche und möchte ausnahmsweise nicht nur seelenruhig den Abend mit seinen Freunden verbringen, sondern fühlt sich, nach ein, zwei Prosecchi, bereit für etwas Flirtaction, dann findet man scheinbar günstigste Bedingungen: nette, vorzugsweise weißblonde Schweden (in hautengen Hosen und tiefem Ausschnitt – ja, tatsächlich) so weit das Auge reicht; oh, Augenkontakt (Juhu!), ein neckisches Lächeln, das er erwidert (Jaha!), noch ein Blick um zu signalisieren – ich bin bereit, mich mit dir zu unterhalten und dann – nix. Nada. Denn alle die darauf warten, dass auf Blickkontakt auch Taten folgen, die warten lange. Was in unserer Kultur größtenteils von den Jungs erwartet wird, übernehmen in Schweden nämlich die Mädels. Ein schwedischer Mann muss entweder extrem betrunken oder schlichtweg verzweifelt sein, um den ersten Schritt zu machen. Hat er auch gar nicht nötig, denn in der Regel kommen ihm die Schwedinnen zuvor. Selbst ist die Frau! Als Ausländerin ist man in der ungewohnten Situation, sich entweder noch ein Gläschen zu genehmigen und sich dann an die Gepflogenheiten anzupassen, oder aber aus dem Flirtmodus zurück in den „Abend-mit-Freunden-Modus“ zu switchen. Wohl oder übel.

Dieses Ritual funktioniert für alle Schweden und -Innen ganz problemlos, solange besagte Männer sich dazu entschließen, ihr Leben in Schweden zu verbringen. Schlecht allerdings, sollte sich einer von ihnen entscheiden, das Land zu verlassen und sein Jagdgebiet über die eigenen Grenzen hinaus auszuweiten; dann könnte es, bei mangelnder Flexibilität sich auf Neues einzustellen, zu Schwierigkeiten kommen was das Paarungsverhalten betrifft. Nix mit selbst ist die Frau. Hierin liegt meiner Meinung nach die Erklärung, wieso schwedische Männer im Ausland als Trunkenbolde und Radaubrüder verschrien sind: Weil man Dinge, die man sonst noch nie gemacht hat unter Alkoholeinfluss glaubt (!) besser zu können. Kurz gesagt, je höher der Promillewert, desto leichter geht es auf der Pirsch. Im Tierreich lautet die Devise: Je bunter der Vogel und je lauter er in der Brunft ist, desto eher zieht er Weibchen an. Viele Männer, und in diesem speziellen Fall auch viele Schweden im Auslandseinsatz, scheinen zu glauben, bei ihnen sei das ähnlich: Je blauer ich bin und je lauter ich brülle, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Frau auch nach mir umsieht. Vielleicht liegt es aber auch einfach am Frust darüber, dass die Mädels überall außerhalb Schwedens vergleichsweise prüde sind. Kann natürlich genauso gut sein, dass sie die Tatsache zelebrieren, dass sie endlich Zeit für ihre Freunde haben, weil das weibliche Geschlecht zur Abwechslung mal die Finger von ihnen lässt. Man weiß es nicht.

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2 Gedanken zu “Zur Paarungszeit in Schweden

  1. Aaah, liebe Petra, ich bin ganz baff über Deinen lieben Beitrag! Tack så mycket!

    UND ich stimme Dir zu (Wo soll ich unterschreiben?) Schwedische Frauen sind super selbstbewusst!
    Ich freu mich über mehr Berichte über Deine Auslandssemester!
    Liebe Grüße, Ann.

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